…nichts zu wollen, nur müssen!!!

Endlich ist es soweit! Ich sitze gemütlich an meinem Schreibtisch. Vor mir liegt meine neue, rot beleuchtete Tastatur, daneben die dazugehörige Mouse. Ich liebe es wenn alles funktioniert!
Irgendwie bin ich, was Technik betrifft, doch schon ziemlich fanatisch. Lange Zeit habe ich mich mit meinem alten Netbook zufrieden gegeben, doch als mein Sohn dies jetzt in die „ewigen Jagdgründe“ beförderte, musste was anständiges her! Tatsächlich „leiste“ ich mir gar nichts, stecke alles in mein Kind und bin glücklich wenn er es ist!
Seit Anfang des Monats gehe ich wieder arbeiten, 5 Stunden am Tag! Daran muss ich mich erst gewöhnen. Die ganze Zeit stehen… Boh, die ersten zwei Tage waren die Hölle! Neben fürchterlichen Fußschmerzen, muss ich auch gegen diese nervige Paranoia ankämpfen, die aus der vergangenen Beziehung zurück geblieben ist. Jetzt, unter so vielen Menschen, ist das jedes mal ein kleines Meisterwerk.
Ich versuche krampfhaft, nicht auf „Untertöne“ oder andere Feinheiten zu achten, auf die ich mich nachher einschießen könnte. Darüber hinaus, quälende Oberflächlichkeit! Den halben Tag, werde ich mit Wellen von Emotionen bombardiert, von Menschen, die scheinbar nichts fühlen. єιη ραяα∂σχση
Ein Beispiel:
Am ersten Tag, habe ich versucht tapfer zu sein! Habe, bis auf zwei Zigaretten, alle Bedürfnisse unterdrückt und mir das Sitzen verkniffen. Am zweiten Tag, taten mir die Füße und Beine noch vom ersten Tag weh und ich musste mich gelegentlich hinsetzen. Kaum das ich dies tat, kam eine Kollegin zu mir und sagte: „Wir dürfen uns nicht setzen!“ Ich schaute sie an und fragte nichts weiter als: “ Und jetzt?“ Zum Frack blieb ich noch ca. eine Minute sitzen, erklärte ihr aber später, zum widerholten Male, das ich mich nach 4 Jahren Babypause, gelegentlich setzen müsse. Schließlich sei für mich der Tag, nach den 5 Stunden Arbeit, noch nicht zu Ende.
Tatsächlich gibt es im ganzen Salon Kameras und wenn jemand „zu lange“ sitzt, schickt der Chef, an einen Mitarbeiter einen Screenshot, auf dem zu sehen ist wer da gerade sitzt, mit der Aufforderung sich zu bewegen. Angenommen jemand würde ein Buch oder eine Zeitschrift lesen, total vertieft und nicht einmal hochblicken wenn ein Kunde zur Tür herein kommt, dann wäre das in jedem Fall ein Grund zur Beschwerde aber für` s Beine ausruhen und Rücken entlasten eine Welle zu machen, geht meines Erachtens zu weit.
Es hat sich nichts daran geändert, dass Friseure nicht wie Menschen behandelt werden. Das Schlimme ist, dass sie es zulassen!!!
Kolleginnen die von 9.00 Uhr bis 20.00 Uhr arbeiten, haben Angst in ihr Brötchen zu beißen, wenn eine Kundin, 5 min. in der Wartezone sitzt, weil der Chef hereinkommen könnte, der dann ausrastet. Schließlich könne man nach Feierabend essen! Wie kann sowas sein? Warum ist das immer so? Was denkt sich so ein Chef dabei? Dabei darf man nicht das „єяѕткℓαѕѕιgє gєнαℓт“ vergessen, für das eine Friseurin arbeitet, da sollte man meinen, dass menschliche Bedürfnisse mit inbegriffen wären, aber nein, die „kosten“ extra und DAS ist keinem Arbeitgeber zuzumuten. Krank werden ist eine „Todsünde“. Grundsätzlich ist man ein Simulant, hat keinen Bock und KEINE Krankheit kann so schlimm sein, dass man den Chef eine Krankmeldung und Fehltage kostet! Hunger und Durst sind Einbildung und bei „DEM GEHALT“, wenn auch nur eingebildet, zu unterdrücken. Privates hat im Salon nichts zu suchen, ein Privatleben sollte prinzipiell und besten Falls nicht vorhanden oder gleichgültig sein. Mitarbeiter die keine Pläne und Interessen im Privatleben haben, schenken dem Chef gerne Urlaubstage, machen Überstunden ohne sie aufzuschreiben und kommen auch, ohne zu widersprechen, an ihrem freien Tag arbeiten – auch wenn genug Personal anwesend ist!
Man hat nichts zu wollen, nur zu müssen! Wenn man schlau ist, ist man so dumm, das man gar nicht merkt, das man verarscht wird. Ich kann das nicht!!!
Der Gipfel der Unverschämtheit ist, dem Personal den freien Tag zu streichen, wenn ein Feiertag auf einen Wochentag fällt! WIE BITTE?!?!  Da dachte ich echt, mir fällt der Kitt aus der Brille! Das würde bedeuten, das Leute die im Büro arbeiten, dafür samstags diesen Feiertag „nacharbeiten“ müssten! Grundsätzlich ist es andersherum. Fällt ein Feiertag in die Woche und man muss an seinem freien Tag arbeiten kommen, ist dieser Tag als Urlaubstag anzurechnen oder gegebenen Falls auszuzahlen! Ich drücke mich keines Wegs vor der Arbeit, mir geht es lediglich ums Prinzip und diese Verarschung geht mir dermaßen gegen den Strich! Man kann doch mit seinem Personal nicht machen was man will nur weil das zu doof ist den Mund aufzumachen. Da muss man sich doch mal überlegen, wie viele Feiertage es im Jahr gibt, die auf einen Wochentag fallen und wie viele Stunden man dann սოรօռรէ arbeitet, für einen Menschen dem man völlig gleichgültig ist. Sonst würde er so etwas ja nicht machen!
Und ALLE wissen es. Alle Angestellten wissen das es nicht rechtlich ist aber kommen dennoch arbeiten, weil sie Angst haben, dass ihnen sonst ein Tag Urlaub abgezogen wird oder sie die Stelle verlieren!
Ohne mich – Ich mach den Scheiß nicht mit! Ich bin jetzt schon gespannt, wann am Montag der Anruf kommt, warum ich nicht zur Arbeit erschienen bin und was sich daraus entwickeln wird. Bestimmt hat sich das Arbeitsverhältnis damit erledigt!

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2 Gedanken zu “…nichts zu wollen, nur müssen!!!

  1. In was für einer beschissenen Welt leben wir eigentlich? Zu den Arbeitsbedingungen kann ich nur sprachlos mit meinem Kopf wackeln. Was für ein Arsch von einem Chef. Sorry, aber nette Worte sind hier definitiv fehl am platz!

  2. Die Wahrheit klingt selten nett, meine Liebe(๑◕ܫ←๑)
    Aber einen anderen Charakter habe ich auch noch nicht zum Chef gehabt, die sind alle so.
    Bis auf das Ding mit der Cam, das ist neu!
    Hammer oder? In dem Job hab ich schon Sachen erlebt, wo ich nach Feierabend dachte,
    wie hab ich diesen Tag überstanden ohne Amok zu laufen?
    Das brutalste ist ja, dass auch wenn du stinksauer bist und kochst vor Wut, lächelnd hinter
    dem nächsten Kunden stehen musst.
    Im Friseurhandwerk ist ja nun mal so, das es da keinen interessiert was sich hinter den Kulissen abspielt. Es gibt zwar eine Handwerkskammer aber die fühlen sich nicht zuständig, für das was da abgeht.
    Und Friseure wehren sich ja auch nicht. Teils aus Angst, Teils aus Unwissenheit oder Bequemlichkeit.
    Eine Kollegin hat sich den halben Nagel abgerissen. Kommt in den Laden um die Krankmeldung abzugeben, ist fast am heulen vor Schmerzen, sie wüsste nicht ob sie morgen damit arbeiten könnte?
    Ist aber laut Krankenschein eine Woche krankgeschrieben!!!
    Am nächsten Tag steht sie, mit nem dünnen Pflaster um den Finger im Laden und schneidet!
    Die stehen so unter Druck immer da sein zu müssen das die gar nicht realisieren, dass
    dieser Pennerchef sich für diese Aufopferung, niemals bedanken wird.
    Wenn er sie nicht zur Schnecke macht, für den einen Fehltag, ist das anscheinend schon wie ein Kompliment?!?!
    Friseur ist echt der ALLER LETZTE Beruf, wenn es um Menschenrechte geht, genau so
    wie Gastronomie und Krankenpfleger.
    Der Job, für sich, macht mir total Spaß und ich bin wirklich gut darin, aber immer
    dieses „ich-fühl-mich-nicht-wie-ein-Mensch“ befinden, macht jede Motivation und Kreativität
    zu Nichte! ʕ≧ᴥ≦ʔ

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